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COMP360 nach einem Jahr: Was die neuen 52-Wochen-Daten wirklich zeigen

Neue COMP005-Daten liefern ein erstes vollständiges 52-Wochen-Bild für COMP360 bei therapieresistenter Depression. Sie sprechen für mögliche anhaltende beziehungsweise erneut vertiefte Effekte nach weiteren Dosen – erlauben wegen des offenen Extensionsdesigns aber keinen kontrollierten Wirksamkeitsnachweis über ein Jahr.

Inner Guide: 10. September 2026 · Originalpublikation: 9. September 2026

Was hinter der Meldung steht

Offene 26- bis 52-Wochen-Extension (Part C) einer randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie

Gesamtstudie

258 Erwachsene mit therapieresistenter Depression

Part C

offen, Woche 26 bis 52; rund 70 % setzten die Studie fort

Weitere Dosis

90 Personen aus dem ursprünglichen 25-mg-Arm erhielten erneut 25 mg COMP360

Frühere Placebogruppe

52 Personen erhielten in Part C erstmals 25 mg COMP360

Die Gesamtstudie war randomisiert – die neuen Langzeitdaten sind es nicht mehr

COMP005 untersuchte insgesamt 258 Erwachsene mit therapieresistenter Depression in den USA. In Part A wurden die Teilnehmenden im Verhältnis 2:1 auf eine einmalige Dosis von 25 mg COMP360 oder Placebo randomisiert und bis Woche 6 verblindet beobachtet. Part B blieb bis Woche 26 verblindet; geeignete Teilnehmende konnten eine weitere Dosis derselben ursprünglich zugeteilten Behandlung erhalten.

Die jetzt neu veröffentlichten Daten betreffen Part C von Woche 26 bis 52. Dieser Abschnitt war offen: Geeignete Teilnehmende aus beiden ursprünglichen Gruppen konnten eine 25-mg-Dosis COMP360 erhalten. Rund 70 Prozent der ursprünglichen Studienteilnehmer gingen überhaupt in Part C über. Damit endet für die neuen 52-Wochen-Aussagen die randomisierte und placebokontrollierte Vergleichbarkeit.

Bei weiterbehandelten Teilnehmern blieb die Symptomlast bis Woche 52 deutlich reduziert

Von den Personen aus dem ursprünglichen 25-mg-Arm, die Part C erreichten, erhielten 90 eine weitere offene 25-mg-Dosis. Je nachdem, ob bereits in Part B nachdosiert worden war, handelte es sich um ihre zweite oder dritte COMP360-Dosis. Für diese Gruppe berichtet Compass in Woche 52 im Mittel eine Reduktion des MADRS-Werts um etwa 13 Punkte gegenüber dem Ausgangswert.

Aus der ursprünglichen Placebogruppe erhielten 52 Teilnehmende in Part C erstmals 25 mg COMP360. Am Ende von Part C lag die mittlere MADRS-Reduktion laut Sponsor bei etwa 10 Punkten gegenüber Baseline.

Für alle Teilnehmenden, die in Part C eine offene 25-mg-Dosis erhielten, meldet Compass in den sechs Wochen danach Response-Raten von 40 bis 45 Prozent und Remissionsraten von ungefähr 30 Prozent. Neue Sicherheitssignale wurden nach Angaben des Unternehmens nicht beobachtet.

Ein interessantes Langzeitsignal – aber kein Beleg für ein Jahr kontrollierte Wirksamkeit

Die neuen Daten sind relevant, weil sie erstmals das vollständige 52-Wochen-Fenster von COMP005 abbilden und damit eine zentrale praktische Frage berühren: Was passiert nach einer oder mehreren weiteren COMP360-Dosen über längere Zeit? Die beobachteten Verläufe sprechen dafür, dass bei einem Teil der weiterbehandelten Patienten Verbesserungen anhalten oder nach erneuter Dosierung wieder vertieft werden können.

Die Aussage „Psilocybin wirkt ein Jahr“ wäre daraus trotzdem nicht ableitbar. In Part C gab es keine Placebokontrolle mehr, nur ein Teil der ursprünglichen Stichprobe setzte die Studie fort, und eine weitere Behandlung erhielten ausgewählte, dafür geeignete Teilnehmer. Erwartungseffekte, natürliche Schwankungen, Selektion und Attrition können die beobachteten Verläufe deshalb mit beeinflussen.

Hinzu kommt, dass die 52-Wochen-Ergebnisse bislang nur als Topline-Daten des Sponsors vorliegen und nicht als peer-reviewte Vollpublikation. Die kommenden vollständigen Phase-III-Daten und regulatorischen Unterlagen werden entscheidend dafür sein, wie belastbar sich Dauerhaftigkeit, Wiederholungsbehandlung und Sicherheit tatsächlich beurteilen lassen.

HintergrundPsilocybin-Therapie einordnenHintergrundPsilocybin: Wirkung, Forschung und RisikenHintergrundPsychedelische Therapie in DeutschlandHintergrundEvidenz, Erfahrungswissen und Tradition unterscheiden

Quellen der Einordnung

Quellen zuletzt redaktionell geprüft am 10. September 2026.