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Ketamin bei bipolarer Depression: Was die neue RCT zu wiederholten Infusionen zeigt
Bei therapieresistenter bipolarer Depression war die depressive Symptomlast nach vier Ketamininfusionen stärker reduziert als unter Midazolam. Das ist ein relevantes kurzfristiges Signal – aber noch kein Nachweis für dauerhaften Nutzen oder eine breite Anwendung.
Inner Guide: 3. September 2026 · Originalpublikation: 2. September 2026
Kurz eingeordnet
Was hinter der Meldung steht
Von Forschenden geleitete, doppelblinde, Midazolam-kontrollierte randomisierte klinische Studie an drei Standorten
Stichprobe
68 randomisiert; 63 in der finalen Wirksamkeitsanalyse
Intervention
4 intravenöse Ketamininfusionen über 2 Wochen, 0,5–0,75 mg/kg
Vergleich
Midazolam 0,02–0,03 mg/kg als aktiver Vergleich
Primärer Endpunkt
MADRS-Veränderung bis Tag 14
Studie
Untersucht wurde eine klar definierte Patientengruppe
Die Ket-BD-Studie schloss Erwachsene zwischen 21 und 65 Jahren mit bipolarer I- oder II-Störung und einer aktuellen moderaten bis schweren depressiven Episode ein. Voraussetzung waren mindestens zwei erfolglose Behandlungsversuche mit evidenzbasierten Pharmakotherapien. Die bestehende Behandlung mit mindestens einem Stimmungsstabilisator oder Antipsychotikum wurde während der Studie stabil weitergeführt.
Die 68 Teilnehmenden wurden im Verhältnis 1:1 auf Ketamin oder Midazolam randomisiert. Über zwei Wochen erhielten sie vier jeweils 40-minütige Infusionen. Midazolam diente als aktiver Vergleich, um die Verblindung gegenüber einem rein inaktiven Placebo besser aufrechtzuerhalten.
Ergebnisse
Am Tag 14 lag der Unterschied bei 7,3 MADRS-Punkten
In der finalen Wirksamkeitsanalyse mit 63 Personen lag der adjustierte MADRS-Wert am Tag 14 in der Ketamingruppe im Mittel 7,3 Punkte niedriger als in der Midazolamgruppe. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von −12,0 bis −2,5 Punkten; p = 0,003, Cohen d = 0,7.
Im kurzen Beobachtungszeitraum wurden in keiner Gruppe Manie, Hypomanie, Psychose oder Suizidversuch beobachtet. Je ein Fall subsyndromaler gemischter Symptome trat in beiden Gruppen auf. Nach der ersten Infusion ordneten 47 Prozent der Teilnehmenden ihre Behandlung korrekt zu – zu diesem Zeitpunkt gibt es damit keinen Hinweis auf eine offensichtliche vollständige Entblindung.
Inner-Guide-Einordnung
Ein positives Signal – aber kein allgemeiner Ketaminbeweis
Der Befund ist relevant, weil er wiederholte Ketamininfusionen speziell bei therapieresistenter bipolarer Depression unter einem aktiven Vergleich untersucht. Er stützt einen kurzfristigen antidepressiven Effekt in genau diesem klinischen Setting. Er beantwortet aber nicht, wie dauerhaft dieser Nutzen ist, wie eine Erhaltungstherapie aussehen müsste oder wie sich seltenere Risiken bei größeren Patientengruppen entwickeln.
Dass serielle Ketamininfusionen nicht in jedem Kontext überlegen sind, zeigt eine andere randomisierte JAMA-Psychiatry-Studie aus dem Jahr 2025. In KARMA-Dep 2 mit stationär behandelten Erwachsenen mit unipolarer oder bipolarer Depression war Ketamin beim primären Endpunkt nicht signifikant besser als Midazolam. Die beiden Studien widersprechen sich deshalb nicht zwangsläufig; sie zeigen vielmehr, wie stark Population, Setting und Studiendesign die Aussage bestimmen.
Für Inner Guide folgt daraus: Die neue Studie erweitert die Evidenz für einen eng definierten medizinischen Einsatz. Sie ist kein Argument für Selbstbehandlung und kein Beleg dafür, dass Ketamin bei Depression allgemein oder außerhalb ärztlich überwachter Behandlung in gleicher Weise wirkt oder sicher ist.
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Primärquellen
Quellen der Einordnung
- Orsini et al., JAMA Psychiatry (2026), DOI 10.1001/jamapsychiatry.2026.2658
- ClinicalTrials.gov: NCT05004896
- Jelovac et al., KARMA-Dep 2, JAMA Psychiatry (2025), DOI 10.1001/jamapsychiatry.2025.3019
Quellen zuletzt redaktionell geprüft am 3. September 2026.
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